Internationaler Tag gegen Lesbo, Homo und Trans*phobie

Die Lesbenorganisation Schweiz LOS setzt dieses Jahr zum Internationalen Tag gegen Lesbo-, Homo- und Transphobie (IDAHOT) vom 17. Mai ein positives Zeichen zugunsten der Familien, die ihre Kinder so akzeptieren, wie sie sind.

Jedes Kind sollte in seiner Familie die Unterstützung und den Respekt finden, die es für eine harmonische Entwicklung braucht. Die Akzeptanz eines Kindes sollte nicht von seiner sexuellen Orientierung oder seiner Geschlechtsidentität abhängen.

Um all jenen Familien, die ihr Kind so lieben, wie es ist, eine positive Botschaft zu übermitteln, möchte die LOS auf das Jubiläum von fels, einer ihrer Partnerorganisationen, hinweisen. fels ist eine Organisation von Eltern und Freundinnen/Freunde homosexueller Kinder. Sie feiert dieses Jahr ihr zwanzigjähriges Bestehen. Seit zwei Jahrzehnten setzt sie sich für die Akzeptanz homosexueller Kinder ein, betreibt Aufklärung, vermittelt Informationen und bietet Unterstützung für Eltern homosexueller Kinder, aber auch für alle anderen Personen, die wegen der Homosexualität eines Kindes, eines Freundes oder eines Angehörigen Rat suchen.

Die LOS möchte zum diesjährigen IDAHOT all jenen Menschen ihren Dank aussprechen und ihren Respekt erweisen, die ohne Vorurteile ihr Herz geöffnet haben, ihr Kind so lieben, wie es ist, und es durch die Prüfungen des Lebens begleiten. Die Lesbo-, Homo- und Transphobie sind noch längst nicht ausgemerzt. Für ein Kind ist die Familie ein Zufluchtsort von unschätzbarem Wert, der im Schutz bietet gegen alle Arten von Diskriminierungen und Mobbing sowie gegen Ausgrenzung.

Wir hoffen, dass die Politik und Gesellschaft in Zukunft auch die Vielfalt der Familien unterstützen und damit die Gleichwertigkeit innerhalb der Familie erleichtern werden, damit jedes Kind bedingungslos geliebt wird – unabhängig von seiner sexuellen Orientierung oder seiner Geschlechtsidentität.

GV – Medienmitteilung

Die Lesbenorganisation Schweiz LOS hielt am 29. April ihre Generalversammlung in Bern ab.

Der Vorstand im Amt wurde ohne Gegenstimme wiedergewählt. Theres Bachofen, Maya Burkhalter und Domenica Priore hatten sich für ein weiteres Jahr als Ko-Präsidentinnen zur Verfügung gestellt.
Drei Ko-Präsidentinnen hatten sich nicht mehr zur Wahl gestellt: Sie waren im Februar wegen interner Meinungsverschiedenheiten aus dem Vorstand ausgetreten.
Barbara Lanthemann ist seit 2013 die Geschäftsleiterin der LOS.

Die Lesbenorganisation Schweiz wurde 1989 gegründet und zählt 1000 Mitfrauen und 28 regionale Organisationen aus der ganzen Schweiz. Sie erhält keine staatlichen Subventionen, sondern finanziert sich einzig durch Mitgliederbeiträge und Spenden von Sympathisantinnen und Sympathisanten. Die Geschäftsleitung wird in einem 90-Prozent-Pensum ausgeübt, die Ko-Präsidentinnen leisten unentgeltliche Arbeit. Aufgrund der schwierigen finanziellen Lage sah sich die LOS gezwungen, auf eigene Büroräume zu verzichten. Weitere Sparmassnahmen werden nötig sein, um die zahlreichen und komplexen Herausforderungen zu meistern.

An der diesjährigen Generalversammlung gaben vor allem das Image und die politische Ausrichtung der LOS für die nächsten Jahre zu diskutieren. Kritisiert wurden insbesondere das neue Logo, das Anfang dieses Jahres eingeführt wurde, sowie der bewusste Einschluss von Frauen*, der – gemäss der Meinung einiger bisheriger Mitfrauen der LOS – von den Leitlinien der Statuten abweicht. Wie andere Organisationen hat sich die LOS dafür entschieden, offener zu sein gegenüber bisexuellen und Trans*-Frauen sowie gegenüber all jenen Frauen, die sich keiner Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung zuordnen wollen. Diesen Entschied haben einige Mitfrauen kritisiert: Sie sind der Meinung, dass die LOS damit nicht mehr genügend die Interessen der lesbischen Frauen vertrete.

Das neue Logo wurde mit einer knappen Mehrheit der Stimmen angenommen. Dem Antrag des Vorstands für einen konstruktiven Dialog wurde mit einer grossen Mehrheit zugestimmt. Nach der Sommerpause wird ein Symposium stattfinden, an dem Vorstand, Geschäftsleitung und Mitfrauen sowie Vertreterinnen der Mitorganisationen die zukünftige Ausrichtung der LOS debattieren werden.

Die LOS hatte zwei Referentinnen an ihre Generalversammlung eingeladen: Sylvia Locher, die Präsidentin der Organisation „Pro Single Schweiz“, und Johanna Egli, Mitglied von aktivistin.ch. Dieses feministische Kollektiv aus Zürich hat in den vergangenen Monaten einige originelle militante Aktionen durchgeführt.

Engagement für die Sexualerziehung

  • Warum ist die Sexualerziehung wichtig?

Die Lesbenorganisation Schweiz LOS erachtet es als äusserst wichtig, dass alle Jugendlichen (und auch weniger junge Menschen!) eine umfassende Sexualerziehung erhalten, welche die Vielfalt der sexuellen und Geschlechtsidentitäten einschliesst und respektiert. Die sexuellen und Gender-Minderheiten sind in den vergangenen Jahren zwar sichtbarer geworden. Dennoch fühlt sich eine Person immer noch häufig allein gelassen, wenn sie merkt, dass sie LGBTQ ist (lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, queer oder unbestimmt [Q kann für queer oder questioning stehen]. Es ist daher wichtig, dass sie verlässliche Informationen bekommt, die ihr Sicherheit geben, und dass sie weiss, wohin sie sich bei Bedarf wenden kann. Dies ist besonders dann entscheidend, wenn junge Menschen in Familien oder Umgebungen aufwachsen, in denen diese Thematik tabu oder negativ behaftet ist. Aber auch Personen, die nicht selbst betroffen sind, sollten für die Thematik sensibilisiert werden: Denn erst wer die Unterschiede kennt, kann Ängste und Vorurteile abbauen.

  • Wie kann die Sexualerziehung in der Schweiz verbessert werden?

Es gibt noch zahlreiche Vorurteile zur Sexualität zwischen Frauen – insbesondere die Vorstellung, dass es sich um keine „wirkliche“ Sexualität handelt, oder der Irrglaube, dass dieser sexuelle Kontakt kein Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten (STI) birgt. Diese Vorurteile haben direkte Folgen für die homo- und bisexuellen Frauen*; sie schlagen sich auf ihre Vorstellungen und ihr Verhalten hinsichtlich der sexuellen Gesundheit nieder. Dies äusserst besonders dadurch, dass diese Frauen weniger oft zur gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung gehen und sich fast nie gegen STI schützen. Wesentlich sind daher folgende Aspekte: Die Sexualerziehung muss noch mehr alle Arten von Sexualität berücksichtigen – also auch die sexuellen Kontakte zwischen Frauen. Sie soll bezüglich der STI darüber informieren, dass ein Übertragungsrisiko unabhängig vom Geschlecht der Person besteht, und die verschiedenen Methoden zum Schutz vor diesen Krankheiten aufzeigen.

  • Wie trägt die LOS zu dieser Verbesserung bei, und wie äussert sich ihr Engagement?

Die LOS engagiert sich für die Sichtbarkeit und die Rechte der homo- und bisexuellen Frauen* in der Schweiz. Die soziale Akzeptanz ist fundamental für Wohlergehen und Gesundheit, einschliesslich der sexuellen Gesundheit.

Die Fachgruppe Santé PluriELLE der LOS besteht seit 2007: Sie informiert und sensibilisiert die homo- und bisexuellen Frauen* sowie die Gesundheitsexpertinnen und -experten zu den verschiedenen Gesundheitsthemen, insbesondere zur sexuellen Gesundheit und zu gynäkologischen Themen. Dazu verfasst sie u.a. Broschüren zu den verschiedenen Themen. Es gibt noch viel zu wenig Wissen zur Sexualität und zu den Gesundheitsbedürfnissen dieser Frauen*. Die Fachgruppe hat daher mehrere Untersuchungen zu diesem Thema durchgeführt oder sich daran beteiligt. Santé PluriELLE setzt sich ausserdem dafür ein, dass lesbische, bisexuelle und andere Frauen, die sexuelle Kontakte zu Frauen haben (FSF), in der Gesundheitsforschung und in den Präventionsprogrammen berücksichtigt werden.

We can’t keep quiet

We can’t keep quiet – warum wir nicht schweigen!

Die Lesbenorganisation Schweiz hat folgende Forderungen:

Jede Frau – ob sie lesbisch, bisexuell oder trans* ist – muss in ihrem Berufsleben Zugang zu den gleichen Funktionen sowie die gleichen Lohnbedingungen wie die Männer haben

Jede Frau – ob sie lesbisch, bisexuell oder trans* ist – muss das Recht und die Wahl haben, eine Zivilehe zu den gleichen Bedingungen wie alle anderen Schweizer Bürgerinnen und Bürger einzugehen

Jede Frau – ob sie lesbisch, bisexuell oder trans* ist – hat Anrecht auf eine angemessene Rente nach ihrer Berufskarriere, und dies unabhängig von ihrer Ausbildung und davon, ob sie eine Berufskarriere gewählt hat oder nicht.

Jede Frau – ob sie lesbisch, bisexuell oder trans* ist – muss das Recht und die Wahl haben, eine Familie zu gründen und ihr eine echte Existenz zu sichern

Jede Frau – ob sie lesbisch, bisexuell oder trans* ist – muss Zugang zu Informationen über Gesundheit und Prävention sowie zu den angemessenen Pflegemassnahmen haben. Sie muss zudem die für sie passenden Therapeutinnen und Therapeuten wählen können

Jede Frau – ob sie lesbisch, bisexuell oder trans* ist – muss das Recht haben, vor jeglicher Diskriminierung durch ein Gesetzt geschützt zu sein, das alle Kriterien einschliesst, also auch die sexuelle Orientierung und die Geschlechtsidentität

https://www.cantkeepquiet.ch/

Kampf gegen die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und Identität

Freitag, 03. Februar 2017 15h45 – Medienmitteilung

KAMPF GEGEN DIE DISKRIMINIERUNG AUFGRUND DER SEXUELLEN ORIENTIERUNG UND IDENTITÄT

Die Kommission für Rechtsfragen des Nationalrates (RK-N) hat sich im Grundsatz für eine Umsetzungsvariante der parlamentarischen Initiative 13.407 (Pa.Iv. Reynard. Kampf gegen die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung) festgelegt. Sie hat die Bundesverwaltung beauftragt, einen Entwurf zur Änderung des Strafgesetzbuchs auszuarbeiten, der nicht nur die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung, sondern auch aufgrund der sexuellen Identität unter Strafe stellt.

Die Kommission hat geprüft, welche Möglichkeiten zur Umsetzung dieser parlamentarischen Initiative, der beide Kommissionen für Rechtsfragen Folge gegeben haben, bestehen. Sie spricht sich mit 15 zu 9 Stimmen bei 1 Enthaltung dafür aus, Artikel 261bis des Strafgesetzbuchs um die Kriterien der sexuellen Orientierung und der sexuellen Identität zu erweitern. Sie geht damit weiter als von der Initiative gefordert, da diese nur die sexuelle Orientierung nennt. Die Kommission ist der Ansicht, dass niemand wegen seiner sexuellen Orientierung oder seiner sexuellen Identität diskriminiert werden sollte. Sie setzt sich dafür ein, die internationalen Empfehlungen in diesem Bereich umzusetzen oder diesen sogar vorzugreifen. Sie weist darauf hin, dass einige Nachbarländer diese Empfehlungen bereits umgesetzt haben. Ein Antrag, die Initiative abzuschreiben, wurde mit 13 zu 10 Stimmen bei 2 Enthaltungen abgelehnt. Die Kommissionsmehrheit anerkennt den Gesetzgebungsbedarf und die Notwendigkeit, diese Kriterien in die Strafnorm einzufügen, und erachtet die vorgeschlagene Variante als angemessen. Die Kommissionsminderheit hingegen beantragt dem Rat, die Initiative abzuschreiben. Sie ist der Auffassung, dass die geplante Änderung zu weit geht und auch das Problem der Diskriminierung nicht löst. Zudem würde eine solche Bestimmung die Meinungsfreiheit gefährden. Die Kommissionsminderheit kritisiert ferner den Wortlaut des Änderungsvorschlags und sieht Auslegungsschwierigkeiten in Bezug auf die Ausdrücke sexuelle Orientierung und sexuelle Identität.

Die Zivilehe – Positionspapier

Die Zivilehe für alle

Im Jahr 2005 hiess das Schweizer Volk die eingetragene Partnerschaft gut. Das auf homosexuelle Personen zugeschnittene Gesetz hat für gleichgeschlechtliche Paare zweifelsohne zahlreiche juristische und gesellschaftliche Verbesserungen gebracht. Das PartG ist jedoch ein Spezialgesetz; es stellt sich also die Frage nach der Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung.

Wir fordern heute, im Jahr 2016, die Öffnung der Ehe für alle. Es geht dabei um die Zivilehe; die kirchliche Trauung kann nicht durch ein Zivilgesetz geregelt werden. Die kürzlich in Irland durchgeführte Kampagne zeigt deutlich, dass diese Präzisierung wichtig ist, um jegliche Verwirrung in der Bevölkerung zu vermeiden.

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Schweizerisches Strafgesetzbuch, Art. 261bis – Positionpapier

SCHWEIZERISCHES STRAFGESETZBUCH, ARTIKEL 261BIS

Artikel 261bis wurde am 18. Juni 1993 ins Strafgesetzbuch aufgenommen und trat am 1. Januar 1995 in Kraft. Das Schweizer Stimmvolk hatte im September 1994 mit 54,6 % der Einführung der Rassismus-Strafnorm zugestimmt.

Ab dem Inkrafttreten sowie bereits davor, während der Abstimmungskampagne, wurden zahlreiche Rufe laut, die in dieser Strafnorm einen Angriff auf die freie Meinungsäusserung sahen.

Mehrere parlamentarische Vorstösse verlangten mit Nachdruck die Aufhebung dieser Strafnorm, insbesondere die Motion der SVP vom 28. Februar 2005, Nr. 05.3013, die Motion Bernhard Hess vom 8. Oktober 2004, Nr. 04.3607, oder die Motion Jürg Scherrer vom 21. April 1999, Nr. 99.3169.

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