Engagement für die Sexualerziehung

  • Warum ist die Sexualerziehung wichtig?

Die Lesbenorganisation Schweiz LOS erachtet es als äusserst wichtig, dass alle Jugendlichen (und auch weniger junge Menschen!) eine umfassende Sexualerziehung erhalten, welche die Vielfalt der sexuellen und Geschlechtsidentitäten einschliesst und respektiert. Die sexuellen und Gender-Minderheiten sind in den vergangenen Jahren zwar sichtbarer geworden. Dennoch fühlt sich eine Person immer noch häufig allein gelassen, wenn sie merkt, dass sie LGBTQ ist (lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, queer oder unbestimmt [Q kann für queer oder questioning stehen]. Es ist daher wichtig, dass sie verlässliche Informationen bekommt, die ihr Sicherheit geben, und dass sie weiss, wohin sie sich bei Bedarf wenden kann. Dies ist besonders dann entscheidend, wenn junge Menschen in Familien oder Umgebungen aufwachsen, in denen diese Thematik tabu oder negativ behaftet ist. Aber auch Personen, die nicht selbst betroffen sind, sollten für die Thematik sensibilisiert werden: Denn erst wer die Unterschiede kennt, kann Ängste und Vorurteile abbauen.

  • Wie kann die Sexualerziehung in der Schweiz verbessert werden?

Es gibt noch zahlreiche Vorurteile zur Sexualität zwischen Frauen – insbesondere die Vorstellung, dass es sich um keine „wirkliche“ Sexualität handelt, oder der Irrglaube, dass dieser sexuelle Kontakt kein Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten (STI) birgt. Diese Vorurteile haben direkte Folgen für die homo- und bisexuellen Frauen*; sie schlagen sich auf ihre Vorstellungen und ihr Verhalten hinsichtlich der sexuellen Gesundheit nieder. Dies äusserst besonders dadurch, dass diese Frauen weniger oft zur gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung gehen und sich fast nie gegen STI schützen. Wesentlich sind daher folgende Aspekte: Die Sexualerziehung muss noch mehr alle Arten von Sexualität berücksichtigen – also auch die sexuellen Kontakte zwischen Frauen. Sie soll bezüglich der STI darüber informieren, dass ein Übertragungsrisiko unabhängig vom Geschlecht der Person besteht, und die verschiedenen Methoden zum Schutz vor diesen Krankheiten aufzeigen.

  • Wie trägt die LOS zu dieser Verbesserung bei, und wie äussert sich ihr Engagement?

Die LOS engagiert sich für die Sichtbarkeit und die Rechte der homo- und bisexuellen Frauen* in der Schweiz. Die soziale Akzeptanz ist fundamental für Wohlergehen und Gesundheit, einschliesslich der sexuellen Gesundheit.

Die Fachgruppe Santé PluriELLE der LOS besteht seit 2007: Sie informiert und sensibilisiert die homo- und bisexuellen Frauen* sowie die Gesundheitsexpertinnen und -experten zu den verschiedenen Gesundheitsthemen, insbesondere zur sexuellen Gesundheit und zu gynäkologischen Themen. Dazu verfasst sie u.a. Broschüren zu den verschiedenen Themen. Es gibt noch viel zu wenig Wissen zur Sexualität und zu den Gesundheitsbedürfnissen dieser Frauen*. Die Fachgruppe hat daher mehrere Untersuchungen zu diesem Thema durchgeführt oder sich daran beteiligt. Santé PluriELLE setzt sich ausserdem dafür ein, dass lesbische, bisexuelle und andere Frauen, die sexuelle Kontakte zu Frauen haben (FSF), in der Gesundheitsforschung und in den Präventionsprogrammen berücksichtigt werden.

We can’t keep quiet

We can’t keep quiet – warum wir nicht schweigen!

Die Lesbenorganisation Schweiz hat folgende Forderungen:

Jede Frau – ob sie lesbisch, bisexuell oder trans* ist – muss in ihrem Berufsleben Zugang zu den gleichen Funktionen sowie die gleichen Lohnbedingungen wie die Männer haben

Jede Frau – ob sie lesbisch, bisexuell oder trans* ist – muss das Recht und die Wahl haben, eine Zivilehe zu den gleichen Bedingungen wie alle anderen Schweizer Bürgerinnen und Bürger einzugehen

Jede Frau – ob sie lesbisch, bisexuell oder trans* ist – hat Anrecht auf eine angemessene Rente nach ihrer Berufskarriere, und dies unabhängig von ihrer Ausbildung und davon, ob sie eine Berufskarriere gewählt hat oder nicht.

Jede Frau – ob sie lesbisch, bisexuell oder trans* ist – muss das Recht und die Wahl haben, eine Familie zu gründen und ihr eine echte Existenz zu sichern

Jede Frau – ob sie lesbisch, bisexuell oder trans* ist – muss Zugang zu Informationen über Gesundheit und Prävention sowie zu den angemessenen Pflegemassnahmen haben. Sie muss zudem die für sie passenden Therapeutinnen und Therapeuten wählen können

Jede Frau – ob sie lesbisch, bisexuell oder trans* ist – muss das Recht haben, vor jeglicher Diskriminierung durch ein Gesetzt geschützt zu sein, das alle Kriterien einschliesst, also auch die sexuelle Orientierung und die Geschlechtsidentität

https://www.cantkeepquiet.ch/

Die Zivilehe – Positionspapier

Die Zivilehe für alle

Im Jahr 2005 hiess das Schweizer Volk die eingetragene Partnerschaft gut. Das auf homosexuelle Personen zugeschnittene Gesetz hat für gleichgeschlechtliche Paare zweifelsohne zahlreiche juristische und gesellschaftliche Verbesserungen gebracht. Das PartG ist jedoch ein Spezialgesetz; es stellt sich also die Frage nach der Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung.

Wir fordern heute, im Jahr 2016, die Öffnung der Ehe für alle. Es geht dabei um die Zivilehe; die kirchliche Trauung kann nicht durch ein Zivilgesetz geregelt werden. Die kürzlich in Irland durchgeführte Kampagne zeigt deutlich, dass diese Präzisierung wichtig ist, um jegliche Verwirrung in der Bevölkerung zu vermeiden.

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Schweizerisches Strafgesetzbuch, Art. 261bis – Positionpapier

SCHWEIZERISCHES STRAFGESETZBUCH, ARTIKEL 261BIS

Artikel 261bis wurde am 18. Juni 1993 ins Strafgesetzbuch aufgenommen und trat am 1. Januar 1995 in Kraft. Das Schweizer Stimmvolk hatte im September 1994 mit 54,6 % der Einführung der Rassismus-Strafnorm zugestimmt.

Ab dem Inkrafttreten sowie bereits davor, während der Abstimmungskampagne, wurden zahlreiche Rufe laut, die in dieser Strafnorm einen Angriff auf die freie Meinungsäusserung sahen.

Mehrere parlamentarische Vorstösse verlangten mit Nachdruck die Aufhebung dieser Strafnorm, insbesondere die Motion der SVP vom 28. Februar 2005, Nr. 05.3013, die Motion Bernhard Hess vom 8. Oktober 2004, Nr. 04.3607, oder die Motion Jürg Scherrer vom 21. April 1999, Nr. 99.3169.

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